Gemmingen 1900 - 1945   Bereits 1907 versuchte Gemmingen eine zentrale Wasserversorgung  einzurichten, doch scheiterte dieses Vorhaben zunächst ebenso wie der 1911  vertraglich untermauerte Plan zur Versorgung der Gemeinde mit elektrischer  Energie (siehe Infrastruktur und Versorgung). Die Durchführung beider  Maßnahmen verhinderte der 1. Weltkrieg (1914-1918). Nicht nur die jungen  Männer, auch die Pferde, die man so dringend für die Feldarbeit benötigt  hätte, unterstanden der sofortigen Rekrutierung. Bereits wenige Wochen nach Kriegseintritt setzte die Regierung Höchstpreise für lebensnotwendige Grund-   nahrungsmittel fest, um der Verteuerung entgegenzuwirken. Es folgten  weitere Regelungen über die Beschlagnahme und Erfassung der Ernten sowie  über Ablieferungskontingente an Feldfrüchte, von denen die bäuerliche  Bevölkerung direkt betroffen war.      Den Schrecken des Krieges erfuhren die Gemminger an den einheimischen  Opfern. 54 Gefallene musste das Dorf am Ende des Krieges beklagen. Lange  geplante Versorgungs- und Infrastrukturmaßnahmen konnten nicht mehr  durchgeführt werden und warfen die Entwicklung des Dorfes um Jahre, wenn  nicht Jahrzehnte zurück.    Der Übergang von der Monarchie zu einem demokratischen Staatswesen  gelang erst nach revolutionären Aufständen, politischen Gewalttaten und  einer Inflation (1923), die die gesamte Wirtschaft lähmte und die Sparer um  ihre Ersparnisse brachte. Mit der Einführung einer neuen Währung kam es  zwischen 1924 und 1929 zu einem beachtlichen wirtschaftlichen Aufschwung,  doch dann sollte die Weltwirtschaftskrise alle guten Ansätze zunichte machen. Ein Heer von Arbeitslosen und mit ihnen ihre Familien musste unterstützt  werden. Die Unzufriedenheit mit dem Staat und seinen immer häufiger  wechselnden Regierungen wuchs und trieb die Wähler in die Arme der  Radikalen. In einigen Landgemeinden im Kraichgau hatte Hitlers NSDAP bei  den Wahlen zum Badischen Landtag schon 1929 einen enormen Zulauf  bekommen.      Nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler (1933)  machten sich die Nationalsozialisten sofort daran,  auch die Regierungsgewalt in den Ländern, Städten und Gemeinden zu übernehmen. Dabei konnten sie sich  auf die ungeteilte Zustimmung der Gemminger Bevölkerung verlassen, denn bei den Wahlen im November  1933 erhielt die NSDAP 99,6% der Stimmen.  Zu einem erzwungenen Rückzug des seitherigen Bürgermeisters  Friedrich Bernhard Monninger - erstmals 1915 gewählt - kam es in Gemmingen jedoch nicht. Er blieb bis zu  seinem Tod am 01.01.1934 im Amt. Dann wurde Adolf Bechdolf, Mitglied der NSDAP, als Bürgermeister in  Gemmingen eingesetzt. Gleich zu Beginn des 2. Weltkriegs am 1. September 1939 wurden Lebensmittelkarten  ausgeteilt. Viele Dinge des täglichen Gebrauchs gab es jetzt nur noch auf Bezugsschein.   Die euphorischen Meldungen über die Siege der deutschen Wehrmacht wurden bald getrübt durch die  Nachrichten über im Kriege gefallene Gemminger. Die ersten Fliegerbomben fielen Ende August 1942 auf das  Dorf. Seit Februar 1945 nahmen die Luftangriffe der alliierten Streitkräfte zu. Anfang April wich die  Wehrmacht zurück. In Gemmingen endete der 2. Weltkrieg am 3./4. April 1945. US-amerikanische Truppen  drangen aus Richtung Heilbronn kommend gegen Schwaigern und Gemmingen vor, während französische  Truppen in der Nacht vom 3. auf den 4. April Teile von Eppingen einnahmen und am 4. April auch Stebbach  eroberten. Nach dem Rückzug der Amerikaner besetzten französische Truppen den Ort.     Das Kriegstagebuch des 80. Armeekorps der deutschen Streitkräfte berichtet: „3.4.1945: Im Laufe des  Nachmittags schiebt sich gepanzerter Feind über Ittlingen, Richen, Gemmingen, Berwangen und Massenbach  an die Hauptkampflinie südostwärts von Gemmingen heran“... und am 4.4.1945: „Schwaigern geht von 4  Panzern und Infanterie (US-Streitkräfte) angegriffen am Nachmittag verloren. Von Gemmingen greift der  Feind (französische Streitkräfte) mit 8 Panzern die Hauptkampflinie südlich von Gemmingen an ...   Das deutsche Restkontingent hatte sich abgesetzt, nachdem das Dorf „vom rechts eingesetzten Arbeitsdienst  von hinten beschossen wurde und die hinter der Hauptkampflinie Flak-Artl. durch einige Kurzschüsse der  eigenen Truppe Verluste beigebracht hat. Dadurch entstand der Eindruck, vom Feind umgangen zu sein.  Am 5.4.1945 lag die Front bereits südlich von Gemmingen und hatte sich auf eine Linie von Eppingen über  Stetten nach Nordheim verschoben.   Die Kampfhandlungen des 2. Weltkriegs waren damit für Gemmingen vorbei. Bis dahin hatten 102  Gemminger ihr Leben in einem sinnlosen Krieg für ein verbrecherisches Regime hergeben müssen, 36 gelten  als vermisst. Das Resultat des Krieges: Tod, Trauer, Zerstörung, Vertreibung, Entbehrung, Krankheit, Hunger,  Elend und Not.