Die jüdische Gemeinde    Eine jüdische Gemeinde gab es in Gemmingen bis 1938. Ihre Entstehung  geht in die Mitte des 17. Jahrhunderts zurück, denn bereits 1664 lebten drei  Juden im Ort. Zu Anfang des 18. Jahrhunderts nahm ihre Zahl stetig zu. 1762  gab es 17 jüdische Familien. 1826 waren 122 Juden in Gemmingen ansässig.  Der Höchststand wurde 1864 mit 291 jüdischen Mitbürgern erreicht (=23%  der Gemminger Bevölkerung). Weil ihnen bis ins 19. Jahrhundert der  Landerwerb und die Ausübung vieler Handwerksberufe untersagt blieb,  trieben die meisten Gemminger Juden Handel. Bevorzugte Produkte waren  Vieh, Getreide, Textilien, Kurzwaren, Öl oder Lumpen. Einige verdienten ihren  Lebensunterhalt als Wirte und Metzger.     In den Gemminger Bürgermeisterrechnungen zwischen 1677 bis 1730 sind  folgende Schutzgeld zahlende Juden aufgezählt: "Jonas, Lazarus, Hajum, Salomon, Gerson, der Schuhmacher Jacob, Gumpel  Herz und der Judenschulmeister Meyer sowie sein Vorgänger Wolf Weyl.”   1809, als die Juden erbliche Nachnamen annehmen mussten, sind folgende  Familien nachgewiesen: Wolf Josephs Witwe, Itzig Levi David  Bischofsheimer(?), Joseph Wolf Richheimer, Elias Herz Gutmann, Nathan  Kahn, Hajum Simon Uhlmann, Kaufmann Loew Kahn Weisenburger, Wolf  Simon Oppenheimer, Mencke Loew Oppenheimer, Isak Joseph Rastatter,  Lazarus Jacob Rost, Michael Levi Wertheimer, Moises Samuel, Baruch  Kahn(Kahnhut), Süßer Kahn (Kahnhut), Loew David Bischofsheimer, Joseph  Moses Rothschild, Callmann Wolf Richheimer, Joseph Loew (?), Wolf Isac (?)  und Moses Loew Oppenheimer.      Ihre Religion konnten die Gemminger Juden in einer Synagoge ausüben,  die 1821 eingerichtet wurde. 1887 musste sie wegen Baufälligkeit fast ganz  abgebrochen und neu aufgebaut werden. Die Toten der jüdischen Gemeinde  wurden seit 1818/19 auf dem jüdischen Friedhof in Eppingen beigesetzt.      Nachdem die badischen Juden 1862 die Gleichstellung als Staatsbürger  gesetzlich erreicht hatten, zogen viele in die großen Städte nach Karlsruhe,  Stuttgart oder Mannheim, weil ihnen dort aussichtsreichere wirtschaftliche  Rahmenbedingungen und überdies bessere Bildungschancen für den Nach  wuchs geboten wurden.  Nach Anfängen in Gem-  mingen verlegte der Sohn  des Zigarrenfabrikanten  Moses Richheimer, Hugo  Hermann, wirtschaftlichen Überlegungen folgend die Zigarrenfabrikation 1905  nach Stuttgart. 1911 wurde ihm und seiner Familie, die sich großzügig  gegenüber ihrer Gemminger Heimat gezeigt hatten, das Ehrenbürgerrecht  verliehen. 1922 spendete Hugo Hermann Richheimer noch einmal einen  ansehnlichen Geldbetrag für die Ortsarmen.    1925, als man noch 57 jüdische Einwohner zählte (4,6% von 1.234  Einwohnern), fungierten Leopold Kahn, Abraham Oppenheimer und Adolf  Ottenheimer als Gemeindevorsteher. Bis 1938 waren das Textilgeschäft  Ludwig Herz und Max Herz in der Schwaigerner Straße, die Viehhandlung  David und Josef Kahn, die Viehhandlung Leopold Kahn und Moritz Manasse  sowie das Lebensmittelgeschäft und die Mehl- und Getreidehandlung Samuel  Ottenheimer in der Bahnhofstraße im Besitz jüdischer Familien - dann wurden sie von den Nationalsozialisten  zwangsweise geschlossen.     Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Gemminger Synagoge von auswärtigen SA-Leuten ausgeräumt und  demoliert, jedoch wegen der Wohnungen im davor stehenden ehemaligen jüdischen Schulhaus nicht  angezündet. Die bürgerliche Gemeinde erwarb das Gebäude samt Grundstück noch 1938 und ließ es 1975/76  im Zuge der Ortssanierung abbrechen.     Die letzten sieben in Gemmingen lebenden Juden wurden im Oktober 1940 bei einer von Gauleiter Wagner  landesweit initiierten Aktion mit LKWs abgeholt und ins südfranzösische Internierungslager Gurs deportiert.  Weitere in Gemmingen geborene oder ehemals dort längere Zeit ansässige Juden aus dem Gau Baden wurden  ebenfalls dorthin verbracht. Für viele war dies nur eine Zwischenstation in die Vernichtungslager des Ostens.   “Von den in Gemmingen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der  NS-Zeit umgekommen: Jenny Abraham geb. Kahn (1866), Frieda Allersheimer geb. Oppenheimer (1883),  Selma Sofia Baer geb. Oppenheimer (1886), Rosa Baum geb. Oppenheimer (1884), Anna Bodenheimer  (1871), Hermine Ehrlich (1888), Kätchen Frank geb. Hanauer (1871), Levi Frank (1885), Sophie Frank (1864),  Aron Gutmann (1886), Emanuel Gutmann (1873), Moses Gutmann (1880), Hilde Haas geb. Manasse (1895),  Berta Hanauer geb. Oppenheimer (1880), Isak Hanauer (1882), Albert Herzog (1885), Gustav Jakob Herzog  (1882), Jeanette Kahn (1870), Johanna Kahn geb. Richheimer (1878), Max Kahn (1884), Klara Kaufmann geb.  Oppenheimer (1886), Karoline Kirchhausen geb. Oppenheimer (1852), Sara Lindauer geb. Ottenheimer  (1863), Babette Maier geb. Oppenheimer (1895), Henriette Melzer geb. Herzog (1887), Betty Oppenheimer  (1896), Else (Elsa) Oppenheimer (1894), Ida Oppenheimer (1893), Julius Oppenheimer (1882), Karl  Oppenheimer (1877), Marx Oppenheimer (1880), Sigmund Oppenheimer (1877), Simon Oppenheimer (1876),  Adolf Ottenheimer (1870), Berta Ottenheimer (1864), Johanna Ottenheimer geb. Mayer (1868), Sara  Ottenheimer (1870), Sara Sofie Ottenheimer (1874), Sigmund Ottenheimer (1902), Wilhelm Ottenheimer  (1900), Heinrich (Hayum) Richheimer (1861), Moritz Richheimer (1895), Aaron Rothschild (1869), Max  Rothschild (1865), Wilhelm Rothschild (1867), Sophie Salomon geb. Richheimer (1876), Hedwig Steinfeld geb.  Ottenheimer (1866), Flora Stern geb. Kahn (1891), Hedwig Wertheimer (1882).   (Nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem, und Angaben aus dem "Gedenkbuch - Opfer der Verfolgung der  Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945")    Anzeige im 'Frankfurter Israelitischen Familienblatt' vom 15.12.1911 (Quelle: http://www.alemannia-judaica.de/) Gemminger Synagoge, Quelle: Hundsnurscher/Taddey Abb. 72